Entzündung des Schilddrüsengewebes, die durch Infektionserreger, Autoimmunreaktionen oder ionisierende Strahlen hervorgerufen werden kann. Die Thyreoiditis kann entweder nach ihrem klinischen Verlauf und dem Schweregrad in akute, subakute und chronische Formen oder nach den unter dem Mikroskop sichtbaren Gewebsveränderungen (Histologie) eingeteilt werden.
Akute eitrige Thyreoiditis
Ursache: Die akute eitrige Thyreoiditis wird durch Bakterien hervorgerufen, die meist von Infektionsherden im Hals-, Nasen- oder Ohrenbereich über Blut- oder Lymphbahnen zur Schilddrüse gelangen.
Befund: Die Betroffenen haben starke, bis zum Kiefer und Ohr ausstrahlende Schmerzen und eine extreme Druckempfindlichkeit im unteren Halsbereich, Schluckbeschwerden sowie häufig eine Rötung der Haut über dem geschwollenen Schilddrüsenbezirk. Es kommt zu Fieber, Schweißausbrüchen, Herzrasen, und der Betroffene klagt über ein allgemeines Krankheitsgefühl. Im Blut finden sich deutliche Entzündungszeichen (z. B. Vermehrung der weißen Blutkörperchen, Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit), mit einer Ultraschalluntersuchung lässt sich das entzündete Gewebe, mit der Feinnadelpunktion die Erreger nachweisen.
Behandlung: Die Therapie mit Antibiotika muss sofort einsetzen, in manchen Fällen ist eine chirurgische Eröffnung und Ableitung von Flüssigkeitsansammlungen (Drainage) nötig. Meist heilt diese Form folgenlos aus.
Subakute Thyreoiditis de Quervain
Ursache: Die subakute Thyreoiditis de Quervain ist eine seltene, evtl. virusbedingte Schilddrüsenentzündung mit typischem histologischem Befund, die meist Frauen im 30.–50. Lebensjahr betrifft.
Befund: Von Verläufen ohne Symptome bis hin zu ausgeprägten Beschwerden wie allgemeinem Krankheitsgefühl, hohem Fieber, Schüttelfrost und starken Schmerzen sind alle Varianten möglich. Typisch ist eine mäßige, derbe Schilddrüsenschwellung mit Druckschmerz, der in die umliegende Region ausstrahlt. Im Blut zeigen sich unspezifische Veränderungen und anfänglich erhöhte Mengen von Schilddrüsenhormonen. Die Sonografie und evtl. eine Feinnadelpunktion können weiteren Aufschluss geben.
Behandlung: Nur die Symptome, insbesondere der Schmerz, können medikamentös behandelt werden. Meist ist die Erkrankung nach spätestens einem halben Jahr ohne Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion abgeklungen.
Chronisch-lymphozytäre Thyreoiditis
Ursache: Diese, auch Hashimoto- oder Autoimmunthyreoiditis genannte Form ist eine autoimmun bedingte Schilddrüsenentzündung mit anhaltendem Umbau des Schilddrüsengewebes in funktionsloses Bindegewebe. Wahrscheinlich ist sie die häufigste Ursache der erworbenen Schilddrüsenunterfunktion. Meist sind Frauen im mittleren Lebensalter betroffen, bei denen nicht selten auch andere Autoimmunerkrankungen vorliegen.
Befund: In der Regel sind die Betroffenen beschwerdefrei, im Verlauf kommt es häufig zu einer langsamen Schilddrüsenvergrößerung. Manchmal treten anfänglich vorübergehend Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion, in späteren Stadien dann Zeichen der Schilddrüsenunterfunktion auf. Im Blut finden sich typischerweise Antikörper gegen Schilddrüsengewebe und gegen Thyreoglobulin.
Behandlung: Der Mangel an Schilddrüsenhormonen bei Schilddrüsenunterfunktion muss medikamentös ausgeglichen werden.
Andere Formen
Ursache: Andere Formen sind weitaus seltener. Zu ihren Ursachen gehören z. B. die Thyreoiditis nach der Schwangerschaft (postpartale Thyreoiditis), die Thyreoiditis nach Einnahme bestimmter Medikamente (arzneimittelinduzierte Thyreoiditis) oder die Thyreoiditis nach Radiojod- oder Strahlentherapie. Eine Schilddrüsenentzündung kann außerdem bei verschiedenen Infektionen mit Viren oder Pilzen auftreten.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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